Gespeichert von admin am Di, 2016-05-17 15:40

Digitale Orgel in Steinbach könnte Kathedrale beschallen - Rosner: Quantensprung

Johannesberg-Steinbach. Am Sonntag ließ sie das erste Mal ihre Stimme ertönen, die neue Kirchenorgel in der Steinbacher Kirche »Verklärung Christi«. Im Vorfeld gab es allerdings auch Kritik an dem neuen Instrument. Denn sie ist keine normale Pfeifenorgel, sondern ein digitales Instrument. Wo normalerweise die Pfeifen sitzen, sind in der neuen Orgel hinter einer Attrappe Transistoren und Lautsprecher angebracht. Der Johannesberger Bürgermeister Michael Rosner, zugleich Vorsitzender des 1996 gegründeten Förderkreises zur Erhaltung der Kirchenorgel, musste sich daher auch anhören, dies sei der »Niedergang des Orgelbaus«.

Kaum ein Unterschied
Für Rosner jedoch ist die neue Orgel ein Glücksfall: »Wenn man sich nicht auskennt, merkt man den Unterschied kaum.» Zugleich ist Rosner, der auch selber die Orgel bei Gottesdiensten spielt, von den technischen Möglichkeiten überrascht: So kann man mit der einen Hand die Begleitmusik spielen, mit der anderen die Titelmusik, und diese wird automatisch hervorgehoben. 38 romantische Stimmen, 38 symphonische Stimmen und 38 barocke Stimmen bietet die »Rembrandt 275«, wie die zweimanualige Orgel heißt. Notfalls könne man mit ihr auch eine Kathedrale beschallen, was allerdings in Steinbach kaum nötig ist.

Dass allerdings in Steinbach eine neue Orgel notwendig war, liegt auch an Besonderheiten der Kirche. Zwar ist die Steinbacher Kirche die größte im Ort, größer als die Johannesberger, andererseits aber das Gotteshaus mit der schlechtesten Beschallung. Dies liegt unter anderem an der Holzdecke, die viele Töne schluckt. Von daher hatte auch die bisherige Kleinstorgel, die der inzwischen verstorbene Großbäcker Ferdinand Fäth 1982 gespendet hatte, einen äußerst unbefriedigenden Klang. Normalerweise wird das Kircheninnere für den Klangkörper und das Volumen ausgemessen. Dies war jedoch bei der Schenkung nicht erfolgt. Die aus vielen Teilen zusammengestellte Pfeifenorgel mit wenig Achtfuß-Registern, einer »schreienden« Mixtur und laut klappernden Tasten im einzigen Manual wurde sowohl den technischen wie auch den klanglichen Ansprüchen nicht gerecht. Alle Gutachter gaben der Orgel schlechteste Noten, sie stünde verkehrt und eine Qualitätssteigerung lohne sich nicht. Allerdings lagen die eingeholten Angebote für die Neuanschaffung einer Pfeifenorgel auf über 206000 Euro. Für eine Kirche, in der im Schnitt unter 20 Personen den Gottesdienst besuchen, »ein gewagtes Unternehmen«, so der Bürgermeister. Daher wurden die Fühler in andere Richtungen ausgestreckt.

Klang überzeugt
Die jetzige Orgel kostet hingegen nur 18000 Euro. Sie stammt vom »Orgelhaus im Stiftsland« nahe des oberpfälzischen Waldsassen. Vor dem Kauf hatten sich die Verantwortlichen zwei Orgeln in der Steinbacher Kirche vorführen lassen. Der Klangunterschied und die Intonation überzeugten sowohl den Kirchenverwaltungsvorsitzenden Günther Pecher, als auch seine Gremiumsmitglieder. Pecher stellte die Finanzierung auf die Beine. Am Sonntag konnten sich die Besucher von den Qualitäten der neuen Orgel überzeugen. Exakt am Patroziniumstag gestalteten Organist Tobias Wombacher mit der Liedertafel Steinbach einen Festgottesdienst zur Einweihung der Orgel. Sie hörten, so Bürgermeister Rosner, »ein Quantensprung«.

Josef Pömmerl